Am Ende steht die Liebe

Der Glandorfer Chor „Crescendo“ verwirklicht mit 230 Sängerinnen und Sängern „Die 10 Gebote“

Wie klingt ein Chor mit 230 Musikern und Band in einer Kirche? In St. Johannis Glandorf probt ein Projektchor seit Ende 2015 für die Aufführung des epischen Pop-Oratoriums „Die 10 Gebote“

Wenn 230 Frauen und Männer in der Glandorfer St.-Johannis-Kirche zu singen beginnen, dann vibriert die Kirchenbank. Das geht unter die Haut. Es sind Laien wie Fortgeschrittene, Junge wie Alte: Ihre Stimmfarben vereinen sich zu einem großen Ganzen im Pop-Oratorium „Die 10 Gebote“. Bis zur ersten Aufführung im November probt der vierstimmige Chor mindestens einmal im Monat in St. Johannis. Der Vorverkauf beginnt im September.

„Das Musical erzählt die Geschichte des Volkes Israel und von Moses“, sagt Sonja Mentrup – natürlich mit dem brennenden Dornbusch, den Plagen und dem Tanz um das goldene Kalb. Die Chorleiterin und Dirigentin des Projektchors ist auch die Leiterin des Crescendo-Chors. Der ist einer von vier Chören in Glandorf und entstand 1988 als kleiner Hochzeitschor. Maria Lückener ist ebenso wie Sonja Mentrup seit der ersten Stunde dabei: „Wir haben mit zehn bis 15 Mädels angefangen“, sagt sie. Jetzt seien sie regulär 60 Sängerinnen und Sänger. Zum 25-jährigen Bestehen sang der Chor bereits in der St.-Johannis-Kirche. Das Pop-Oratorium „Die 10 Gebote“ mit knapp 250 Beteiligten sei jedoch das erste Vorhaben in dieser Größenordnung. Für das Musical von Dirk Falk und Michael Kunze wurde der Crescendo-Chor um die zahlreichen ehrenamtlichen Sängerinnen und Sänger ergänzt.

 

„Am Ende gipfelt alles im Gebot der Liebe“

„Unsere Intention war es, Leute ans Singen zu bringen, die sich sonst nicht trauen“, sagt Mentrup. Viele hätten zunächst Hemmungen, in einen Chor zu gehen, „aber das Projekt zieht voll. Das Schöne an diesem Riesenchor ist das Generationenübergreifende: Wir haben Familien hier, wo Großmutter, Mutter und Tochter dabei sind“, sagt Mentrup. Die Jüngste im Chor sei gerade 14, die Älteste rund 60 Jahre alt. Auch der Pfarrer, Ulrich Müller, singt mit. Neben knapp 200 Frauen sind 34 Männer markant im Chor platziert.

„Wir haben natürlich die Hoffnung, dass jemand nach dem Projekt bei uns im Chor bleibt“, sagt Lückener. Aufgrund der positiven Atmosphäre im Projektchor sei sie da zuversichtlich. Die zwölf Solisten entstammen dem Kernchor Crescendo, die Band aus Percussion, Bläsern, Keyboard und E-Gitarre sei, so Lückener, „ein zusammengewürfelter Haufen“, der fabelhaft funktioniere.

„Unsere stärkste Frauenstimme ist die Zipora“ (Anita Ostholt-Körkemeier), sagt sie. Die Frau und große Liebe von Moses (Markus Gangei) wurde von den Autoren des Musicals hinzugedichtet. Sie gebe dem Propheten immer wieder Kraft, wenn er an seiner Mission zweifelt oder wenn ihn die Älteren der Israeliten harsch kritisieren. Sie „bringt Ruhe und Stärke in das Stück“, sagt Mentrup, „und am Ende gipfelt alles im Gebot der Liebe: Alles ist gut, wenn der eine den anderen liebt“.

Neben den zwei größten Rollen gibt es auch zwei junge Erzählerinnen. Jeder Text werde gesungen, sagt Mentrup, bis auf die Stimme Gottes, die gesprochen wird. Die Eigenart der Figuren werden eindeutig charakterisiert. So trägt der arrogante Pharao (Ulrich Schwemme) ein T-Shirt mit der Aufschrift „It’s hard to be a god“ (Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein).

Auf die Idee, das Musical nach Glandorf zu holen, kamen fünf Sängerinnen von Crescendo. Die sangen 2012 in Hannover mit, wo das Werk mit 2500 Sängern aufgeführt wurde. Ursprünglich entstand es im Auftrag der evangelischen Kirche für die Europäische Kulturhauptstadt „Ruhr 2010“. Der Komponist Dieter Falk wisse von der Aufführung, sagt Mentrup. Der arbeite zurzeit mit der evangelischen Kirche an einem neuen Projekt im Lutherjahr 2017, und will dem Chor im Osnabrücker Land eine Videobotschaft schicken.

Philipp Adolphs

Termine

Der Projektchor singt an drei Abenden: Am Freitag, 4. November, 19.30 Uhr, Sonntag, 6. November, 18 Uhr, und Dienstag, 8. November, 19.30 Uhr in der Glandorfer St.-Johannis-Kirche. Der Kartenvorverkauf beginnt am 3. September von 10 bis 12 Uhr im Pfarrheim Glandorf, Telefon 0 54 26/9 43 00. Eintritt: 15 Euro, maximal zehn Karten pro Person. Es gibt 480 Plätze.

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